TYPO3 5.0 Installationsversuch für Nicht-Programmierer
Doch Schwamm drüber! Nachdem ich frisch motiviert von der T3CON in Karlsruhe wiederkam, habe ich nun all meinen Mut zusammengepackt und versuche in diesem Blogeintrag von vorne bis hinten die Installation eines TYPO3 5.0-Systems möglichst simpel darzulegen.
Da die offizielle TYPO3 5.0-Installations-Doku aktuell noch etwas schmal ausfällt, fangen wir einfach mal mit den grundlegenden ersten Schritten an. Grundsätzlich empfiehlt es sich bei Installations-Experimenten eine virtuelle Maschine zu nutzen, anstatt direkt in seinem "Live-System" (in meinem Fall Mac OS X) zu arbeiten. Im Fall einer Eskalation bzw. mangelnder Fachkenntnis kann man am Ende einfach alles in den Mülleimer schmeißen und verliert lediglich seine Arbeitszeit ;)
Los gehts:
1. Schritt: Die Basis
Falls nicht sowieso vorhanden, sollten Sie sich zu allererst eine Virtualisierungsumgebung wie z.B. die von VMware herunterladen. Auf meinem MacBookPro nennt sich das ganze VMware Fusion und ist bei mir sowieso schon für interne Entwicklungszwecke im Einsatz.
Linux: VMware-Player oder VMware-Server installieren (falls noch nicht vorhanden)
Mac: VMwareFusion installieren
2. Schritt: Ubuntu 7.10 Gutsy downloaden
Nachdem die Virtualisierungsumgebung installiert ist, wird es Zeit, die eigentlich virtuelle Maschine an den Start zu bringen. Hierfür brauchen wir erst einmal die neueste Unstable-Version der Ubuntu-Server-Installations-CD (Achtung: 488,6 MB).
Wählen Sie auf der folgenden Seite die für Ihre Hardware geeignete Installations-CD aus (Server install CD):
3. Schritt: Gutsy-VM einrichten
In unserer Virtualisierungsumgebung legen wir eine neue Maschine an, wählen als Typ Linux/Ubuntu aus, geben dieser 10 GB Festplattenplatz und mindestens 256MB Ram, um unvorhersehbare Randprobleme zu minimieren. Bei der Festplattenkapazität handelt es sich übrigens nur um einen virtuellen Wert, der erst bei Bedarf gefüllt wird - sie müssen sich also zunächst keine Gedanken über verschwendeten Festplattenplatz machen. Wichtig ist allerdings, dass sie die Checkbox "Allocate all disc space now" nicht aktiviert haben ;)
Am Ende der Einrichtung der neuen Maschine sollte abschließend das heruntergeladene Ubuntu-CD-Image als "operating system install disk" ausgewählt werden.
Ein Klick auf "Finish" schließt den Einrichtungsvorgang ab und die virtuelle Maschine startet mit der Ubuntu-Installation.
4. Schritt: Ubuntu-Gutsy konfigurieren
Ein beherzter Tastendruck auf die Entertaste beschleunigt den Bootvorgang und leitet auf das modisch blau gehaltene Installationsmenü von Ubuntu weiter. Hier wird schnell die Sprache und das Tastaturlayout ausgewählt, bevor ein Rechnername (z.B. T350 oder Rennenderbaer ;) vergeben und die Netzwerkeinrichtung abgewickelt werden muss. Drücken Sie einfach immer die Entertaste bis Sie irgendwann gefragt werden, ob Sie die Änderungen auf die Festplatte schreiben möchten. Hier müssen Sie natürlich "Ja" auswählen (Hinweis: die Änderungen werden auf die virtuelle Festplatte geschrieben = ungefährlich).
Geben Sie im darauf folgenden Dialog einen Benutzernamen + Passwort für das neue System ein und der Kopiervorgang startet (evtl. macht es an dieser Stelle Sinn sich den Benutzernamen + Passwort kurz zu notieren, um eine Rekursion im Installationsvorgang zu vermeiden). Da der Installationsvorgang einige Zeit dauert, hier noch ein paar Hintegrunddetails zu den Vorraussetzungen für TYPO3 5.0:
- Die früher benötigte Java-Bridge zur Nutzung des Apache-Jackrabbit-Content-Reposiories entfällt (sehr cool!)
- PHP5 können Sie immer noch nicht benutzen, stattdessen benötigt TYPO3 5.0 PHP6, dass sich noch in Entwicklung befindet und compiliert werden muss (freaky!)
- Es gibt bereits ein TYPO3-Install-Script, dass den Installationsvorgang nach Erfüllung der Abhängigkeiten relativ einfach gestalten sollte (yeah!)
Ok. Inzwischen dürfte Sie der Ubuntu Installer gefragt haben, ob Sie ein vorgefertigtes Paket installieren möchten (z.B. LAMP). Wählen Sie hier keines aus sondern klicken einfach auf "weiter", da wir ja beabsichtigen entgegen der Ubuntu-Standard-Pakete das neueste State-of-the-Art-unstable-Monster-PHP zu installieren (Schritt: 5).
Am Ende der Installation drücken Sie ein letztes Mal "weiter" und die virtuelle Maschine startet neu.
5. Schritt: Login und Aktualisierung
Na? Haben Sie ihr Passwort noch? Ist denn der Benutzername noch im Kurzzeitgedächtnis? Falls ja, finden Sie sich nach dem Einloggen auf der Konsole wieder. Als erstes sollten Sie ihr System vorsichtshalber auf den neuesten Stand bringen:
sudo apt-get update
sudo apt-get upgrade
Als Passwort verwenden Sie einfach das Passwort vom vorherigen Login. Nach einigen Minuten sollte ihr System nun auf dem aktuellsten Stand sein.
6. Schritt: Webserver einrichten
Als Webserver für unser eigenes, fettes TYPO3 5.0 soll Apache2 zum Einsatz kommen. Da PHP6 selbst compiliert werden muss, brauchen wir zudem ein paar Compiler und Libraries. Falls Sie nicht wissen, was das ist, geben Sie einfach die folgenden Zeilen in die Konsole ein (jeweils gefolgt von einem lockeren Druck auf die Enter-Taste):
sudo apt-get install libicu36-dev
sudo apt-get install libxml2-dev
sudo apt-get install apache2-mpm-prefork
sudo apt-get install apache2-prefork-dev
sudo apt-get install gcc
sudo apt-get install make
7. Schritt: PHP6 compilieren
Da TYPO3 5.0 nur mit PHP6 voll funktionsfähig ist und PHP6 so neu und unstabil ist, dass sich noch niemand getraut hat ein Debian/Ubuntu-Paket zu bauen bzw. dieses sogar automatisiert auszuliefern, muss PHP6 als Source-Version heruntergeladen und eigenhändig compiliert werden:
Eine tagesaktuelle Version von PHP6 (ca. 10 MB) können Sie auf der PHP-Website downloaden.
Auf den Server gelangt diese mit folgendem Befehl:
Danach muss das PHP6-tar.gz-File ausgepackt werden und die Compilierung vorbereitet werden:
tar xfvz php6.0-200710081830.tar.gz
cd php6.0-200710081830.tar.gz
Anschließend konfiguriert man die gewünschten Optionen für die PHP6-Kompilierung (gefunden in einem Mailing-Listen-Beitrag von Karsten Dambekalns):
./configure --prefix=/usr/local/php6 \
--enable-bcmath \
--enable-calendar \
--enable-dba \
--enable-exif \
--enable-ftp \
--enable-gd-native-ttf \
--enable-soap \
--enable-sqlite-utf8 \
--enable-wddx \
--with-apxs2=/usr/bin/apxs2 \
--with-gettext \
--with-iconv \
--with-openssl \
--with-pcre-regex \
--with-pdo-sqlite \
--with-sqlite \
--with-zlib \
--enable-zip
Die Konfiguration sollte ohne Fehler durchlaufen. Anschließend wird mit folgenden Befehlen die Compilierung gestartet:
make
make test
sudo make install
...falls Sie noch nie ein Programm compiliert haben, wäre jetzt der ideale Augenblick noch einmal über den ersten Teil von The Matrix nachzudenken... Im Hintergrund wird gerade der PHP6-Code compiliert, also so aufgereitet, dass später der Prozessor den PHP-Interpreter nativ ausführen kann, ohne groß nachzudenken, was ihm da eigentlich an Code vorgesetzt wird.
Am Ende bricht der Installationsvorgang mit dem Fehler "apxs:Error: Activation failed for custom /etc/apache2/httpd.conf file.." ab. Diese Meldung kann jedoch einfach ignoriert werden.
Weil wir nun alle so große Matrix-Fans sind und das mit dem Compilieren so toll geklappt hat, macht es Sinn auch gleich noch die Command-Line-Version von PHP6 zu installieren:
sudo make install-cli
Anschließend zeigt ein "php -v" auf der Konsole, ob wir PHP6 bereits von der Kommandozeile aus nutzen können. Idealerweise sollte hier ein netter Dreizeiler mit Zend-Copyright-Hinweis + Build-Date erscheinen.
Nun fehlt seitens PHP6 nur noch eine initiale Einstellung in der php.ini:
sudo cp php.ini-dist /usr/local/lib/php.ini
sudo vi /usr/local/lib/php.ini
Sobald Sie mit dem vi-Editor die php.ini-Datei geöffnet haben, nutzen sie mit der Tastenkombination "Shift" + "7" (="slash") den Suchmodus von vi und geben "unicode.semantics" gefolgt von einem "Enter" ein. An dieser Stelle müssen Sie die Zeile wie folgt ändern:
unicode.semantics = on
8. Schritt: PHP6 mit Apache2 verheiraten
PHP6 ist kompiliert und Apache2 installiert. Dummerweise wissen die beiden noch nichts voneinander. Hierbei helfen folgende Befehle, die PHP6 in Apache2 als Modul einbinden.
cd /etc/apache2/mods-available/
sudo vi php6.conf
Nun kopieren Sie folgenden Text in die neu erstellte Datei php6.conf:
<IfModule mod_php6.c>
AddType application/x-httpd-php .php .phtml .php3
AddType application/x-httpd-php-source .phps
</IfModule>
Achtung: Sollten Sie vi noch nie benutzt haben so achten Sie darauf als erstes die "i"-Taste zu drücken, um in den Insert-Modus zu gelangen. Anschließend kopieren Sie den Text hinein, um mit der souverän, lässige Tastenfolge "Esc", ":", "wq", "Enter" die Datei zu speichern und vi zu beenden.
Anschließend erzeugen Sie noch eine Load-Datei für PHP6:
sudo vi php6.load
und kopieren nach der oben beschriebenen Methode folgenden Text hinein:
LoadModule php6_module /usr/lib/apache2/modules/libphp6.so
"Esc", ":", "wq", "Enter" nicht vergessen und die Erstellung der PHP6-Apache-Config-Dateien ist abgeschlossen.
Der Befehl "a2enmod php6" aktiviert abschließend das Modul mit den vorher erstellten Config-Dateien.
9. Schritt: Der Webserver-Test
Um abschließend zu testen, ob auch wirklich alles sauber eingerichtet wurde, wird mit dem folgenden Befehl eine Test-PHP-Datei im DocumentRoot des Webservers angelegt:
sudo vi /var/www/phpinfo.php
Folgender Inhalt stellt später die Versions-Infos unter t350/phpinfo.php zur Verfügung:
<?php phpinfo(); ?>
Falls Ihnen die IP-Adresse Ihres neu eingerichteten Webservers nicht bekannt ist und die Namensauflösung nicht funktioniert, können Sie die IP-Adresse des Rechners mit dem Befehl "ifconfig" auf der Konsole herausfinden - die Adresse im Feld "inet addr:" sollte in der Regel die Adresse ihres Webservers sein, unter der Sie diesen von außen (also ihrer Host-Maschine) erreichen.
Rufen Sie abschließend die Testwebsite ihres neuen Apache2-PHP6-Webservers auf:
Sie sollte nun eine bläulich/lila gestaltete Website sehen, auf der Ihnen vermittelt wird, dass Sie PHP6 erfolgreich installiert haben!! Yeah!
10. Schritt: JAAA!! ENDLICH TYPO3 5.0 INSTALLIEREN!!!
Puuh. Einige Stunden später scheint es nun endlich soweit zu sein, dass man eventuell mal einen Blick auf TYPO3 5.0 werfen könnte...
Der folgende Befehl besorgt schonmal das nötige Installationspaket (ca. 12 MB) und packt es gleich ins Webserver-Document-Root-Verzeichnis:
sudo wget "http://5-0.dev.typo3.org/quickInstall/download.php?file=install-typo3.php" -O /var/www/install-typo3.php
Nun muss der Installer angeblich nur im Browser aufgerufen werden und es erscheint die magische TYPO3-Framwork-Seite (siehe letzter Screenshot):
Jaa!! Glückwunsch!!! Sie haben sich gerade erfolgreich TYPO3 5.0 installiert!! :)
Sie fragen sich, was Sie damit jetzt anstellen können? Dazu mehr im zweiten Teil meines TYPO3-5.0-Tutorials, wo wir uns die Architektuur hinter TYPO3 5.0 einmal genauer anschauen werden...
To be continued..









Danke für die super Anleitung!
Wann gibt\'s den zweiten Teil, ich will endlich loslegen ;)
Zweiter Teil kommt hoffentlich heute Nacht. Bin noch am überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre erst einmal ein paar Hintergrunde zu objektorientierter Programmierung zu erklären (natürlich wieder praxisorientiert)...
Moin. Der nächste Teil meines Tutorials wird verschoben bis 5-0.dev.typo3.org wieder erreichbar ist :(